Bismarckfeier 200Jahre

Bismarckschule Elmshorn feiert den 200. Geburtstag ihres Namensgebers

Otto von Bismarck, der „Eiserne Kanzler“, der „Gründer der Deutschen Nation“ – er ist Namensgeber für viele Plätze, Straßen und Gebäude. Auch die Bismarckschule in Elmshorn ist nach ihm benannt. Und weil Bismarck in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre, feierten gestern Schüler, Eltern, Lehrer und Freunde des Gymnasiums.

„Aber diese Feier soll keine Heldenfeier werden“, sagte Ulrich Wulck, Fachleiter Geschichte der Bismarckschule. Das lässt sich schon an der Einladung erkennen: Auf der einen Seite ein Portrait von Bismarck mit Anzug und Halstuch, daneben das Zitat „Die Politik ist keine Wissenschaft, sondern Kunst“. Auf der anderen eines mit Uniform und Pickelhaube mit dem Zitat „Wo ich sitze, ist immer oben“.

Bei der Schulfeier ging es mehr um die Auseinandersetzung mit Bismarck, als um dessen Huldigung. „Die Betrachtung Bismarcks ist mittlerweile differenzierter als früher“, sagt Wulck. „Wir wollen bei unserer Schulfeier die Zweiseitigkeit Bismarcks kritisch betrachten.“

Auftakt zur Schulfeier war bereits am Dienstagabend in der Aula. Dr. Maik Ohnezeit, Historiker und Museumspädagoge bei der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh, hielt einen Vortrag über die Wahrnehmung Bismarcks in der Bevölkerung und deren Veränderung im Laufe der Geschichte. „Bismarck wurde früher in einer für uns heute nicht nachvollziehbaren Weise verehrt“, sagte Ohnezeit. Nach seinem Tod 1898 habe eine „sakrale Verehrung“ Bismarcks eingesetzt. Posthum bekam er Ehrenabzeichen und Ehrenbürgerschaften zuhauf verliehen, auch von Auslandsdeutschen.

„Auch die Historiker trugen eher zur Verklärung, als zur Aufklärung bei“, sagt Ohnezeit. In den 1960-ern begann sich die Wahrnehmung von Bismarck zu verändern. „Heute ist er eine historische Person, die kontrovers diskutiert wird. Die Verehrung ist einer objektiven Betrachtung gewichen“, sagt Ohnezeit.

Gestern Vormittag besuchte die Kultusministerin des Landes Schleswig-Holstein, Britta Ernst, die Schüler der Bismarckschule bei den Vorbereitungen auf die Schulfeier, die am Nachmittag begann. Empfangen wurde sie – ganz wie in der Kaiserzeit – von einer Marschkapelle und Schulleiter Peter Rosteck in Offiziersuniform auf rotem Teppich.

Danach zeigten Rosteck und einige Lehrer und Schüler ein paar der Projekte, an denen die Schüler in der letzten Zeit gearbeitet hatten. „Ich bin begeistert über die Arbeit, die die Schüler geleistet haben“, sagte die Ministerin. „Es ist toll, dass sie sich in diesem Maße mit einer so wichtigen Person der Deutschen Geschichte befassen.“

Ab 15 Uhr nachmittags war die Schule für jeden geöffnet. Bis 19 Uhr stellten die Schüler die Ergebnisse ihrer Projekte zur Schau. Dazu haben sie die Schule rund 120 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt: Der Eingang war geschmückt mit Blumen und einem roten Teppich, einige Lehrer und Schüler liefen mit Uniform und Pickelhaube oder in Trachten durchs Gebäude.

In den Räumen des Gymnasiums beschäftigten sich die Schüler aller Klassenstufen mit Bismarck: Es ging um sein Privatleben, seine politischen Positionen, Bismarck als Marke (zum Beispiel als Tafelwasser). Auch zur Kaiserzeit im Allgemeinen stellten sich die Schüler fragen: Wie sah Elmshorn damals aus? Wie spielte sich das Familienleben ab? Wie pflegte man sich und seinen Körper?

Besonders in den Aufführungen, die es zu sehen gab, wurde Bismarck kritisch behandelt. In einer nachgestellten Schulstunde im Jahr 1914 referiert der Lehrer über das, was Bismarck geleistet hat. Als Kritik von einem Schüler laut wird, bringt der Lehrer ihn schnell zum Verstummen. Auch bei der nachgestellten Sedanfeier, der Gedenkfeier zum Sieg der Deutschen im Deutsch-Französischen Krieg und gleichzeitig eine Art Nationalfeiertag im Deutschen Kaiserreich, stürmen Sozialisten den Raum – und werden wieder hinausgeworfen. So werden zum einen die kritischen Seiten Bismarcks verdeutlicht, zum anderen aber auch der unreflektierte Umgang mit Bismarck selbst kritisiert.

„Das Projekt ist eine gute Sache“, sagte Tobias Kolberg aus dem zwölften Jahrgang, „weil man wirklich viele Hintergründe von Bismarck kennenlernt. Zum Beispiel sein Privatleben auf der einen Seite, in dem er auch Drogen genommen hat, und dem genialen Politiker auf der anderen Seite“.

Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten, vom 2. Juli 2015, von Hendrik Pflaumbaum

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