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Wdt – 48 Jahre lang ein Markenzeichen der Bismarckschule

Mit einigen Unterbrechungen waren es tatsächlich 48 Jahre, die Herr Wendt nahezu täglich in der Bismarckschule verbracht hat. Das ist mehr als ein halbes Leben.

Zunächst kam Peter Wendt als kleiner Sextaner zur Bismarckschule – für unsere jetzige Schülerschaft fast unvorstellbar … Ich stelle ihn mir wissbegierig, neugierig, vielleicht vorlaut und naseweis vor. Oder war er still und zurückhaltend, vielleicht ängstlich oder respektvoll ge­genüber Lehrern, Schülern und dem ehrwürdigen Gebäude?

Zum Glück hat Herr Wendt viel von seiner Zeit als Schüler erzählt. Besonders die Schülerinnen und Schüler der Orientierungsstufe und der Mittelstufe lieben seine Geschichten von damals und die persönlichen Erlebnisse, die er noch heute mit seinen Klassen teilt. Dabei sind das keineswegs ausschließlich positive Anekdoten. Es war eine andere Zeit, damals, als die Bismarckschule noch Jungenschule war, als die Lehrer auch noch überwiegend männlich, im

Anzug und unnahbar waren, als Schüler von Lehrern geschlagen wurden. Selbst Herr Wendt wurde geohrfeigt! So genau kann er sich nicht mehr an den Grund

erinnern. Er meinte, er hätte im Chor einfach nicht gut genug gesungen, dann kamen die Ohrfeige und schließlich die Sterne.

Ein Klassenfoto zeigt Herrn Wendt mit langen Haaren und Schlaghose. Modisch interessiert und angepasst scheint er gewesen zu sein. Oder war er eher der aufmüpfige Schüler, der diskutierfreudige, der sich auch politisch aktiv zeigte, sich gerne mitteilte und – wie auch heute noch – gerne überzeugte? Als Gitarrist gründete Herr Wendt eine der wohl coolsten Sc

hülerbands, die sich den Namen „The Grave“ gab. Laut seiner Erinnerung waren sie nur mittelmäßig, rockten aber trotzdem ganz schön heftig durch Flure und über Tanzflächen. Herr Wendt war versessen auf britische Rockmusik wie die Beatles, Rolling Stones, The Who, The Searchers. Wahrscheinlich war er alles andere als angepasst, doch kein Streber und nicht unbedingt der Liebling der (mit wenigen Ausnahmen) sehr konservativen Lehrerschaft.

Es gab viele Ungerechtigkeiten, die die Schüler damals (heute auch noch) ertragen mussten. Gewalt und Gehorsam gehörten in den 60er Jahren zum Schulalltag. Vielleicht war genau diese Erziehung das, was den heranwachsenden Peter dazu bewog, Lehrer zu werden, um es besser zu machen.

Im Archiv der Bismarckschule ist von der Schulzeit des kleinen Peters wenig zu finden. Keine Einträge im Klassenbuch, kein Wiederholen der Klasse, aber gute – sehr gute Abiturarbeiten in den Fächern Mathematik, Physik und Englisch! Yes!

Obwohl Herr Wendt noch heute von dem exzellenten erfahrenen Unterricht und den damit verbundenen beispiellosen Lehrern in Mathematik und Physik berichtet, kann man sich kaum vorstellen, dass er anfangs Englisch und Französisch studieren wollte! Nach dem Abitur 1971 folgten ein paar Jahre, die Herr Wendt ohne die Bismarckschule auskommen musste – und umgekehrt.

Schnell begriff Herr Wendt allerdings, dass er doch lieber das Fach wechseln wollte und seinem größten Interesse folgen musste. So begann er Mathematik, Physik und Chemie auf Lehramt in Hamburg zu studieren. Die Chemie fiel dem zu vollen Stundenplan zum Opfer, so wurde daraus der Klassiker, für manche ist es der Langweiler oder der Lebensfremde oder der blanke Schreck: Mathe/Physik.

Immer noch profitieren Herr Wendt und seine Kolleginnen und Kollegen von den Skripten seines Studiums und der Schulzeit (zum Googeln: Elemente der Mathematik von Dr. Athen). Voller Hochachtung spricht er auch heute von seinen Lehrern und Professoren. Seine bis ins Detail durchgearbeiteten Bücher – unter anderem das Bohrmann- und Schmüserskript – wurden von Herrn Wendt jedem Physiklehrer der Bismarckschule nahegelegt, ließen kaum Fragen offen und wenn doch, dann lässt es auch gegenwärtig Herrn Wendt nicht

los und sie werden ihn wohl in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Er geht jeder Thematik in den Büchern zur Theoretischen Physik der Quantenmechanik nach. Er studiert Feynmandiagramme, Gruppentheorien, Relativitätstheorie, Raum-Zeit-Materie. Themen, für die bedeutende Physiker und Mathematiker wie Feynman, Einstein, Poincaret, Weyl (ein Elmshorner), Heisenberg … Nobelpreise erhalten haben (oder verdient hätten, wenn es für Mathematik einen Nobelpreis gäbe), fesseln Herrn Wendt und nehmen einen immens hohen Zeitraum ein. Herr Wendt genießt seine Bücher und seine Welt der Physik. Ich kenne niemanden, der es schafft, komplexeste und aktuellste Sachverhalte aus der Welt der Physik und der Mathematik so weit zu reduzieren, dass sie für nahezu jedermann verständlich scheinen.

Er schafft es ebenso, andere zu begeistern. Durch seine so überzeugende, ruhige Art und sein überlegenes Wissen hängen Schülerinnen und Schüler an ihm und seinen „Geschichten“.

Herr Wendt ist ein begnadeter Didaktiker. Das werden alle seine Schüler bestätigen können. Er ist jemand, der seine Fächer studiert hat und stets weiterstudiert, sich interessiert und nie aufgibt.

Er motiviert und fordert begabte Schülerinnen und Schüler, stellt sich, auch nach über 40 Jahren als Lehrer, stets individuell auf seinen Unterricht ein. Profilklassen der Oberstufe finden in Mathematik und Physik Anwendungsaufgaben passend zum Profil: Das Biologie-Profil berechnet mit Hilfe des linearen Potentialtopfes die Wellenlängen, die die Farbe einer roten Rose ausmachen, das Sportprofil berechnet Impuls, Beschleunigungen und Kräfte aus dem Sportunterricht, das Physikprofil scheint völlig abgehoben zu sein und

taucht in die Welt der Relativitätstheorie tief ein.

Bei Herrn Wendt findet man nie Arbeitsblätter, die schon von Jahrgängen zuvor bearbeitet wurden, keine Klassenarbeit wird wieder verwendet und Versuche werden stets individuell und aktuell angepasst. Stationenarbeit und selbstständiges Lernen sucht man beim Wendt’schen Unterricht vergeblich. Er gibt das Ruder nur ungern aus der Hand. Zu wichtig sind ihm außerdem mathematische Exaktheit, präzise Formulierungen und vor allem der Austausch mit der Schülerschaft. Er braucht den Blickkontakt, die persönliche Ansprache und das direkte Feedback „seiner“ Kinder und Jugendlichen. Nur so schafft er allzu oft, dass ausgehend von seiner Begeisterung, Funken auf eine sehr breite Schülerschaft springen.

Er achtet jeden Schüler und jede Schülerin und nimmt jeden ganz individuell wahr. Durch Aufgaben und scheinbar nie endende Erklärungen fühlen sich seine Schüler und Schülerinnen motiviert, ernst genommen und aufgebaut. Plötzlich finden Schüler und Schülerinnen einen Zugang zur Mathematik, die das Fach längst aufgegeben hatten.

Neben seiner unumstrittenen fachlichen Kompetenz gibt es aber noch eine zweite Seite, die seine außergewöhnliche Persönlichkeit ausmacht:

Es ist die Art und Weise, wie Herr Wendt mit seinen Mitmenschen umgeht.

Als Oberstufenleiter führte er in den 90er Jahren sicher durch Reformen und begleitete Schülerinnen und Schüler durch Höhen und tränenreiche Tiefen ihrer Schulzeit, er beriet sie, behielt den Überblick und handelte vorausschauend. Der von ihm gefertigte Stundenplan, für den er als stellvertretender Schulleiter Verantwortung trägt, ist das Ergebnis von Weitsicht, Rücksicht und ganz viel Strategie.

Er ist Vorbild und er lebt vor. Liegt in unseren Schulfluren Müll, so kommt es vor, dass Herr Wendt den Müll vor den Schülern vorwurfslos aufhebt und zum Mülleimer trägt. Kommen ihm Schülerströme an den Türen entgegen, so ist es Herr Wendt, der den Schülern selbstverständlich lächelnd die Tür aufhält. Das fällt auf! Unseren Schülern fällt das auf: Da ist jemand, der behandelt uns mit Respekt! Herr Wendt wird dafür respektiert, geachtet und geliebt wie kaum ein anderer. Natürlich lernen die Schüler von ihrem Vorbild viel mehr als von starren Regeln. Die Türen werden ihm längst aufgehalten …

Für Kolleginnen und Kollegen hat er gleichermaßen ein offenes Ohr wie für jeden Schüler und jede Schülerin. Er kümmert sich um persönliche Anliegen, er hört zu, er findet gegebenenfalls unkonventionelle Lösungen, er unterstützt und baut in jeder Lebenslage auf. Die Aufgaben des stellvertretenden Schulleiters meistert er beispielhaft. Jungen sowie erfahrenen Kollegen ist er Ratgeber und Mentor. Er hilft unseren Schülerinnen und Schülern, sich zu Persönlichkeiten zu entwickeln, die unsere Gesellschaft so braucht. Auch durch Herrn Wendt erlebt unsere Schule Toleranz und Vielfältigkeit. Er weiß, dass mehrere Wege zum Ziel führen, Herr Wendt bleibt aber stets dem Ziel treu.

Er hat die Bismarckschule als stellvertretender Schulleiter vielfältig geprägt, geleitet, geführt, getragen und nach außen vertreten. Über Jahrzehnte hat er mit vollem Einsatz und immer dem Gewissen folgend für Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen entschieden. Er hat es nie zugelassen, dass die Qualität des Unterrichts unter modernen pädagogischen Methoden leidet. Er nannte es pädagogische Wellen, die kommen und gehen. Sein Unterricht war so modern, lebendig und zeitnah. Geblieben ist die innigste Überzeugung, dass neben der Fachkompetenz die Persönlichkeit des Lehrers und die der Schulleitung maßgeblich für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler verantwortlich ist. In seinen verschiedenen Funktionen als Oberstufenleiter, Fachleiter und stellvertretender Schulleiter sorgte er dauerhaft für ein harmonisches Klima an unserer Bismarckschule.

Mit seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst geht sehr viel mehr als nur der stellvertretende Schulleiter. Die Bismarckschule verdankt ihm ganz viel Menschlichkeit, Herzlichkeit, Harmonie, Frieden, Weitsicht und Fachwissen.

48 Jahre verbinden die Bismarckschule mit Herrn Wendt. Sie trägt seine Handschrift, und er lässt sich aus dem Archiv nicht mehr streichen. Ein Urgestein, fest verankert und verewigt in Köpfen und Gemäuern.

Grimm

Bevorstehende Termine
Herbstferien 14. Okt 2017 - 29. Okt 2017
Schulentwicklungstag 30. Okt 2017
Reformationstag (Schulfrei) 31. Okt 2017
Pädagogische Konferenzen 2. Nov 2017 14:00 - 19:30 Bismarckschule
Pädagogische Konferenzen 9. Nov 2017 14:00 - 19:30 Bismarckschule