Berlinfahrt 2019

Besuch des Bundestages und des Bundesrates mit interessanten Planspielen

Auch unser Jahrgang durfte im Zeitraum vom 14. -16. Januar 2019 Berlin in all seinen vielfältigen Facetten kennenlernen. Man stelle es sich folgendermaßen vor: Sechs Lehrer, drei Busse, ein ganzer Jahrgang und eine Sache, die uns alle verbindet: Müdigkeit!

Montagmorgen starteten wir also am ZOB in Elmshorn Richtung Hauptstadt, um uns dort auf bundespolitischer Ebene weiterzubilden. Über Umwege und Raststättenaufenthalte (über welcher sich McDonalds sicherlich sehr freute) kamen letztlich doch alle Busse am Nachmittag in Berlin an.

Erfreut über das Aussteigen, durften alle Schüler feststellen, dass Berlin unbeschreiblich kalt ist, so kalt, dass selbst Herr Kalina beim Zittern erwischt wurde. Nach kurzer Wartezeit und üblicher Kontrolle konnten nun alle Schüler die Innenarchitektur des Reichstagsgebäudes bewundern.

Selbstverständlich kann man die deutsche Politik nicht ohne Politiker erleben, weshalb wir bereits am ersten Tag mit zwei Abgeordneten stellvertretend für die „Freie Demokratische Partei“ und „DIE LINKE“ in Dialog treten durften.

Unser Thema: Auslandseinsätze der Bundeswehr und alternative Sicherheitsmaßnahmen.

Auffallend bei den Diskussionen waren die teils gegensätzlichen Meinungen, welche die Vielfältigkeit von Politik nochmal deutlich zum Vorschein brachten. Schließlich folgte ein detailreicher Vortrag im Plenarsaal über den Bundestag und dessen Sitzverteilung.  Danach führte unser Weg ins Hostel. Die Zimmer wurden bezogen. Einige Schüler hatten zudem die Möglichkeit, das Bundeskanzleramt zu besichtigen.

Am zweiten Tag fand für die Busgruppe 1 ein Planspiel im Bundestages statt, in dem die Beschlussfassung eines Gesetzentwurfes simuliert werden sollte. Zwar war dieser Veranstaltungsblock unserer Fahrt zeitaufwendig, allerdings war es spannend, hautnah zu erleben, wie eine Entscheidung über Auslandseinsätze getroffen wird.

Nach einer Mittagspause, in jener die Schüler Berlin auf eigenen Füßen kennenlernen konnten, fand die Besichtigung im Bundesrat statt. Der Vortrag war mit verschiedenerlei neuen Informationen gefüllt. Zum Schluss fand passend zu unserem vorherigen Programm ebenfalls ein Planspiel zur Frage statt, ob Menschen ab einem bestimmten Alter eine Fahrtauglichkeitsprüfung durchlaufen sollten, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken. Was man am Ende des längeren Tages zweifellos mitnehmen konnte, waren interessante Informationen und witzige Situationen, welche durch das politische Auftreten einiger Mitschüler verursacht wurde und damit die Stimmung belebt hat. Danach startete auch schon die zweite Runde von Berlin Tag und Nacht.

Auch an unserem letzten Tag in Berlin gab es für uns noch ein spannendes Programm. Entgegen unserer Erwartung war es tatsächlich ein weiteres Planspiel, dieses Mal im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Mittlerweile waren wir optimal in Planspielen geübt, weshalb in der Abschlussdiskussion sehr kontrovers debattiert wurde.

Bereits um 11.00 Uhr waren wir auf dem Weg zurück nach Elmshorn. Insgesamt lässt sich sagen, dass diese Fahrt in vielerlei Hinsichten interessant und sinnvoll war. Vor allem ist es schön den politischen Lernprozess mit wertvollen Erinnerungen zu verknüpfen, weshalb die Berlinfahrt ein klarer Erfolg war. Trotzdem ist es im Hinblick auf die kommenden Berlinfahrten wünschenswert, wenn das doch recht kompakte Programm besser auf die Tage verteilt werden würde, sodass wir Schüler noch mehr von der Stadt selbst mitnehmen können.

Alles in allem war diese Berlinfahrt der letzte Boxenstopp vor dem Abschlusssprint Richtung Abitur. Jetzt können wir durchstarten!

Vielen Dank an Frau Gebert, Herrn Kalina, Frau Liebermann, Herrn Laskowski, Frau Grove und Herrn Bußmann, die uns diese Fahrt ermöglichten.

Besuch im KZ Sachsenhausen

Am Dienstag, den 15.01.2019 besichtigten wir, die Busgruppe 2, die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen. Eine junge Frau erzählte uns dort zuerst etwas über die Entstehung und die gesonderte Stellung des „Vorzeigelagers“ Sachsenhausen in der NS-Zeit: Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde 1936 auf Befehl von Heinrich Himmler, dem Chef der Deutschen Polizei, erbaut. Im Gegensatz zu den Konzentrationslagern, welche sich mitten in der Stadt befanden und man als “Gläserne Konzentrationslager” bezeichnete, befand sich das KZ Sachsenhausen außerhalb der Stadt. Mit dem Auftrag, ein „vollkommen neuzeitliches, modernes und jederzeit erweiterbares“ Lager zu errichten, entwarf ein SS-Architekt die auffällige Dreiecksform, welche später eine Fläche von etwa 56 Fußballfeldern bedeckte. Das KZ Sachsenhausen war nicht nur ein Arbeitslager, sondern auch ein Schulungslager für SS-Wachmannschaften. Zwischen 1936 und 1945 waren mehr als 200.000 Menschen aus ca. 40 Nationen im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Unter ihnen befanden sich zunächst politische Gegner des NS-Regimes, später vermehrt Angehörige der von den Nationalsozialisten als rassisch oder biologisch minderwertig erklärten Gruppen wie Juden, Sinti und Roma, als „Homosexuelle“ Verfolgte, sogenannte „Berufsverbrecher“, „Asoziale“, Zeugen Jehovas und ab 1939 auch zunehmend Bürger der besetzten Staaten Europas. Auch Minderjährige waren in dem KZ Sachsenhausen inhaftiert. Innerhalb von 9 Jahren starben dort knapp 3.0000 Kinder und Jugendliche.

Bei der Führung über das Gelände besichtigten wir den Wachturm A, in dem sich der Sitz der SS-Lagerleitung befand und der gleichzeitig das Eingangstor zum Lager darstellt. Aus dem Fenster des Turms sahen wir den davorliegenden halbkreisförmigen Appellplatz. Wir erfuhren, dass die Häftlinge dort jeden Morgen und jeden Abend bei jeglichen Wetterbedingungen für den Zählappell ca. eine Stunde strammstehen mussten. Bei Komplikationen, wie Fluchtversuchen, wurde die gesamte Lagergruppe durch das Strammstehen bestraft, welches mehrere Stunden andauerte und bei geschwächten Häftlingen oft zum Tod führte. Außen um den Appellplatz befanden sich fächerförmig angeordnet Baracken, in denen die Häftlinge untergebracht waren.

Wir schauten uns einen nachgebauten Waschraum von innen an, in welchem wir die Kälte ebenfalls deutlich spüren konnten. Die Vorstellung, wie schrecklich es gewesen sein musste, sich im Winter in einer so engen und unbeheizten Baracke mit knapp 300 weiteren Häftlingen nur mit kaltem Wasser aus einem Wasserbrunnen zu waschen, war für uns unvorstellbar.

In einer anderen Baracke sahen wir einen nachgebauten Schlafraum, mit zahlreichen dreistöckigen Betten, in denen damals jeweils bis zu vier Insassen schlafen mussten. Dort erfuhren wir auch, dass ein Teil der Verwaltung des Arbeitslagers auf die sogenannten Funktionshäftlinge übertragen wurde, welche dann beispielsweise für Ordnung in den Schlafräumen sorgen mussten. Auch bestimmten privilegierten Häftlingsgruppen, welche durch das aufgezwungene Tragen von Abzeichen voneinander unterscheidbar waren, wurden teilweise gesonderte Funktionen zugeteilt. Der Zweck dieser Eigenverwaltung war einmal die Entlastung der SS-Männer, besonders aber auch die Entstehung von Konflikten, Konkurrenz und Hierarchie innerhalb der Lagerinsassen und der Häftlingsgruppen. Insgesamt sind auf dem Gelände ansonsten kaum noch Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers erhalten und so gingen wir über das Gelände zurück zum Informationsgebäude. Dort setzten wir uns den Rest des Nachmittags mit ausgewählten Schicksalen von damaligen Häftlingen im KZ Sachsenhausen anhand von sieben Biografien auseinander. Diese sieben Menschen wurden aus ganz unterschiedlichen Gründen verfolgt und uns wurde nochmals das Ausmaß der Verfolgungen und Deportationen bewusst. Jede Kleingruppe bekam Quellen, in denen etwas über das Leben der jeweiligen Person vor, während und nach der Haftzeit berichtet wurde und im Plenum suchten wir dann nach Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Schicksalen dieser sieben Personen. Am Ende thematisierten wir den Umgang mit und die Erinnerung an die verschiedenen verfolgten Gruppen nach 1945.

Rückblickend können wir sagen, dass der Besuch in dem KZ eine sehr interessante und bewegende Erfahrung für uns war. Durch den Geschichtsunterricht hatten wir zwar Hintergundwissen, was die Themen Nationalsozialismus und Holocaust betrifft, dies jedoch in Wirklichkeit zu sehen und sich mit den Schicksalen realen Personen auseinander zu setzten, hat uns die Geschichte ab 1933 noch nähergebracht.

Der Widerstand lebt

Der Kampf gegen Diktaturen, gegen Unterdrückung, gegen politische Verfolgung und Hass, für eine freie und gleiche Welt. Sich politisch zu engagieren und für seine Überzeugungen einzustehen, ist auch im Jahr 2019 noch hochaktuell. Wir haben uns während unserer dreitägigen Berlinfahrt mit der Geschichte der DDR auseinandergesetzt. Dabei hatten wir die Möglichkeit, echte Kämpfer gegen die Unterdrückung in der DDR kennenzulernen.

Die erste Gelegenheit hierzu bot sich am Dienstag, während unseres Besuches des geheimen Stasi Gefängnisses Hohenschönhausen, mitten in Berlin. Im Gegensatz zu normalen Gedenkstätten und Museen wurden wir hier nämlich nicht von ausgebildeten, historisch umfassend geschulten Gruppenleitern. sondern von ehemaligen Insassen, geführt. Diese Menschen, die aufgrund ihrer Meinung und ihrer politischen Aktivitäten in diesem Gefängnis inhaftiert waren und physische wie psychische Folter miterlebt haben, zeigten uns, wie die Stasi Menschen zermürbte und brach, wie sie Familien auseinanderriss und es schaffte, dass ein Mann gegen seine eigene Frau aussagte. Eines machten sie dabei ganz deutlich – der Kampf ist noch nicht zu Ende. Denn zwanzig Jahre nach dem Mauerfall und über siebzig Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges mag es uns hier in Deutschland zwar besser gehen, doch die Welt ist keine bessere geworden. Und so appellierten sie an uns alle, aktiv zu werden, unsere Werte aufrechtzuerhalten und immer für sie einzustehen. Auf den einen oder anderen mögen diese Zeitzeugen mit ihrer kämpferischen Antihaltung eigentümlich gewirkt haben, nichtsdestotrotz waren sie zwei sehr starke und beeindruckende Persönlichkeiten, die trotz der erlittenen Qual nie aufgehört haben, für das Recht einzustehen. Für ihr eigenes und das von anderen.

Am folgenden Tag fuhren wir in die Bernauer Straße, einem der Orte, wo noch Reste der originalen Mauer sowie der Grenzschutzanlagen erhalten sind. Nach einer kurzen (und kalten) Führung durch diese Überreste aus DDR- Zeiten trafen wir uns mit zwei sehr spannenden Zeitzeugen, die in ihrer Vergangenheit selbst viel mit diesem Ort zu tun hatten. Denn die Bernauer Straße ist nicht nur Teil der sukzessiven Trennung von Ost- und West- Berlin, sondern auch Schauplatz unzähliger Fluchtversuche aus der DDR. Unter anderem durch Tunnel, bei deren Bau unsere Gesprächspartner selbst mithalfen. Wie eine Geschichte hörte es sich an, als Joachim Rudolf zu erzählen begann. Von dem Tag als er und seine Freunde hörten, dass die Grenze in Berlin zugemacht werden würde, von dem Moment an, als sie schließlich begriffen, dass sie raus aus dem Osten wollten und mussten, über seine abenteuerliche Flucht, bis hin zum Bau seines ersten Tunnels, dem Verrat eines weiteren, und seinen Schwierigkeiten und Tricks, Studium und Tunnelbau unter einen Hut zu bekommen. Die Geschichten zogen uns so sehr in den Bann, dass wir auch nach dem Ende der Veranstaltung erst einmal kein anderes Thema mehr kannten, als den Mut dieser Männer, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um anderen Menschen zu helfen, in den Westen zu gelangen.

Auf der Fahrt wurden uns einige Werte auf unterschiedliche Weise vor Augen geführt: Dass jeder Einzelne von uns die Möglichkeit hat, etwas zu bewegen. Dass es unsere Pflicht und unsere Verantwortung ist, für unsere Werte einzustehen und sie gegen andere zu verteidigen. Dass wir alle bis jetzt viel zu wenig dafür getan haben, unsere Rechte und unsere Freiheiten zu erhalten. Und dass es sich lohnt dafür zu kämpfen, wenn es dadurch vielleicht ein kleines bisschen besser werden kann. Noch gibt es Menschen, die uns ihre Geschichten erzählen können. Noch ist der Widerstand am Leben. Und es liegt in unserer Hand, dass er es bleibt.

„Wahren Frieden gibt es nur in Freiheit“

Eindrücke und Gedanken zum Besuch im Stasigefängnis Hohenschönhausen und zu den Zeitzeugengesprächen in der Bernauer Straße:

„Zeitzeuge mit dem Stasi-Aktennamen „der Philosoph“ war inspirierend, sehr philosophisch, spricht von sich selbst als ‚Reisender‘ “.

„Der Tod schmeckt nach Metall“.

Hass als Mittel, um ein Feindbild zu erzeugen.

„Besserer Einblick in die Geschichte als bloße Führung durch das Museum“.

„Ganz persönliche emotionale Eindrücke“.

„… hat so überschwänglich erzählt“.

Zu dem Zeitzeugen Joachim Neumann: „…hat sehr fesselnd erzählt“

„Guter Einblick in den riskanten Ernst als Tunnelbauer“.

„Wolfgang R. hat einen sehr klaren Blick auf die damalige Zeit. Antiautoritär durch und durch“.

Siegfried R., ehemaliger Leiter des Stasi-Gefängnisses: „Man musste sich doch schützen! Die DDR war kein Unrechtsstaat!“

„Die Schuldfrage ist schwer zu klären: Inwiefern befreit die Erziehung unter einer Ideologie von eigener Schuld? Sind die Eltern und der Staat schuld?“

„Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt“.

Vertrauen wird aufgebaut, um es systematisch zu brechen. (Beziehung vom Vernehmer zum Inhaftierten)

Bevorstehende Termine
Wirtschaftspraktikum des Q1-Jahrgangs 25. Mrz 2019 - 3. Apr 2019
Unterrichtsschluss nach der 4. Stunde 3. Apr 2019
Osterferien 4. Apr 2019 - 22. Apr 2019
Schulentwicklungstag – Unterrichtsfrei 23. Apr 2019 Bismarckschule
Tag der Arbeit 1. Mai 2019
Aktuelles
2019-02-14T12:50:18+00:00