Gegen das Vergessen

175 – drei Ziffern, die das Leben unzähliger Menschen für immer veränderten. Es war die Nummer des Paragraphen, der Homosexualität jahrelang unter Strafe gestellt hat.

Betroffene Personen wurden verachtet, verfolgt und bestraft. Im Nationalsozialismus wurde die Verfolgung und Diskriminierung bis zum Äußersten getrieben.

Auch heute werden Homosexuelle als Opfergruppe des NS-Regimes oft übergangen. Deswegen beschlossen wir, das Geschichtsprofil des Q1-Jahrgangs, ihnen unseren Beitrag für die Gedenkveranstaltung „Gegen das Vergessen“ zu widmen. Die Veranstaltung wird jedes Jahr von den Elmshorner Schulen und der Stadt ausgerichtet, um den Opfern des Nazi-Regimes zu gedenken.

Unter dem Motto „Es ist immer ein Verbrechen Liebe zu bestrafen“ (Stefan T. Kosinski) bereiteten wir uns über ein halbes Jahr auf die Aufführung vor. Wir lasen Originalquellen sowohl aus Sicht der Opfer als auch aus der Täterperspektive.

Wir beschäftigten uns mit der Verfolgung Homosexueller im gesamten deutschen Raum, vor allem jedoch in Hamburg.

Durch die Zusammenarbeit von 19 hochmotivierten Geschichtsprofilern, zahlreichen Musikern der Oberstufe sowie den engagierten Lehrkräften Frau Dannenberg und Herrn Wichmann entstand aus monatelanger Recherche in kürzester Zeit ein Theaterstück von fast 20 Minuten Länge.

Die Ausarbeitung war in vielerlei Hinsicht schwierig; neben den üblichen Problemen wie das Verbinden von Musik und Szenen stellte sich hier die Thematik an sich als überaus anspruchsvoll in ihrer Umsetzung heraus. Denn wie sollte man zum Beispiel die in der NS-Zeit üblichen Begrifflichkeiten – insbesondere die in Bezug auf die Verfolgung der Homosexuellen – an eine breite Schülerschaft vermitteln, ohne dass „das Falsche“ im Gedächtnis bliebe? Wie sollten wir mit der Folter umgehen, die den gefassten Schwulen damals zuteil wurden? Und: Waren wir überhaupt in der Lage, die Rollen zu verkörpern?

Durch vollen Einsatz von jedem, Schülerinnen und Schüler wie Lehrkräften, und großartige Schauspielerinnen und Schauspieler schafften wir es, all diese Fragen aus dem Weg zu räumen.

Wir schickten beispielsweise Leo in den Liether Wald, um seine Stimme für die Schreiparts zu trainieren, übten Texte und Noten, arbeiteten unermüdlich an Kulisse und Darstellung, bis aus holprigen und künstlich wirkenden Einzelstücken ein wirklich vorzeigbares Theaterstück geworden war.

Der volle Einsatz unserer Darstellerinnen und Darsteller sorgte dafür, dass die beiden Aufführungen wirklich gut gelangen. Wir waren alle etwas nervös, da wir nicht wussten, wie insbesondere ein Saal voller Schülerinnen und Schüler auf unser Stück reagieren würde. Zwar wurde es bei der einen oder anderen Stelle unruhig im Saal und hier und da fehlte mal ein Stuhl beim schnellen Umbauen, aber dank des überzeugten Auftretens unserer (Haupt-) darstellerinnen und -darsteller erzeugte das Stück die gewollte Stille und Konzentration im Saal.

Insbesondere Rasmus und Leo sowie Jane und Helena, die es schafften, mit Mut und Talent ein homosexuelles Paar auf die Bühne zu bringen, gebührt hierbei unser Respekt. Die Veranstaltung war in unseren Augen ein voller Erfolg und wir hoffen, die eine oder andere Person für die Thematik sensibilisiert zu haben, da der Umgang mit Homosexuellen auch heute noch zu langen Debatten in der Politik und Gesellschaft führt – das Umdenken setzte erst sehr spät ein.

Erst 1994 wurde der Paragraph 175 abgeschafft, und auch heute noch wird Homosexualität in vielen Ländern mit Haft oder Tod bestraft.

In Deutschland dürfen bis heute schwule und bisexuelle Männer kein Blut spenden, es sei denn sie bestätigen, ein Jahr lang sexuell nicht aktiv gewesen zu sein. Auch werden Homosexuelle noch immer nicht in Auschwitz neben den anderen Opfergruppen bedacht. Mit der Ehe für alle und den Änderungen im Adoptionsrecht ist ein großer Schritt in die richtige Richtung getan, doch es erfordert noch immer viel Engagement und Durchhaltevermögen von Einzelnen, um den Homosexuellen einen gesicherten und anerkannten Platz in der Gesellschaft zu verschaffen.

Deshalb freuen wir uns schon ganz besonders auf den Besuch des Schriftstellers und Aktivisten Lutz van Dijk, der selbst für die Anerkennung der homosexuellen Opfer im Nationalsozialismus kämpft und dessen fesselnder Roman „Verdammt starke Liebe“ über einen jungen Schwulen in Polen uns während des Projektes sehr inspirierte. Er wird am 15. Mai zu uns an die Bismarckschule kommen und nach einer Diskussionsrunde in unserem Profil auch eine Lesungen für den 9. Jahrgang und das Geschichtsprofil des E-Jahrgangs halten.

Lena R. und Finn K.

Fotos M. Kamin

Bevorstehende Termine
Start- und Verleihfeier des internationalen Jugendprogramms 21. Nov 2018 19:00 in der Aula
Lehrerkonferenz 22. Nov 2018 16:00 in der Bismarckschule
Lange Nacht der Mathematik 23. Nov 2018 17:00
Sitzung des Schulelternbeirats 3. Dez 2018 19:30 in der Mensa
Schulkonferenz 13. Dez 2018 18:00 - 20:00 in der Mensa
Aktuelles
2018-04-18T08:30:10+00:00