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Darya Mantana (Q1) landet mit „Pressefreiheit an die Wand gepresst“ auf der Shortlist des Vereins „3.Oktober“.
Darya Mantana (Q1) landet mit „Pressefreiheit an die Wand gepresst“ auf der Shortlist des Vereins „3.Oktober“.
1. März 2026
Oberstufenschülerin Darya Mantana (Q1) landet mit ihrem Text „Pressefreiheit an die Wand gepresst“ auf der Shortlist des Vereins „3.Oktober“.
Herzlichen Glückwunsch!!
Wenn Sie / ihr diesem Link folgt/ folgen, könnt ihr bis zum 11. März für Daryas Beitrag stimmen. Bitte gerne weiter verbreiten! https://3oktober.org/schreibwettbewerb/shortlist-2026/
Es war einmal eine Pressefreiheit. Die deutsche, meine ich. Und eigentlich gibt es die auch noch. Aber ich habe letztens mit ihr gesprochen und allzu sicher ist sie sich nicht, ob sie noch lange lebt. Ihre Geschwister sind in vielen verschiedenen Länder zerstreut. In manche Länder kamen sie leider nicht rein und in manchen wurden sie ermordet. Auch hierzulande schon einmal.
„Aber das ist doch lange her, wir sind eine gefestigte Demokratie.“
„So lang her ist´s nicht und sei es Jahrhunderte her gewesen, dass man die Mutter eines Menschen ermordete, so würdest du das doch niemals so zu ihm sagen!“
„Da hast du recht, es tut mir leid, also um deine Mutter. Es ist nunmal so, dass du kein Mensch als solcher bist und uns Menschen fällt es ja schon schwer, Empathie für uns unter Menschen aufzubringen… Tut mir leid.“
„Ich weiß, ich merk´s. Aber was soll das überhaupt heißen „gefestigte Demokratie“? Ich kenne Demokratie, sie ist eine gute Freundin von mir, aber sie ist gar nicht steif oder unbeweglich, wenn du das meinst. Sie ist echt sportlich und sehr aktiv. Immer auf Protesten unterwegs, sie macht sogar Selbstverteidigung! Nachdem sie in letzter Zeit so oft angegriffen wurde, ist das ganz sinnvoll, sie kann sich ja nicht auf den Schutz anderer verlassen, ihre Mutter musste ja sehen, wohin das führt…“
„Nein, so meinte ich das nicht mit „gefestigt“, aber jetzt, wo du so über die Demokratie sprichst, fällt mir auf, dass ich ohnehin vielleicht im Unrecht war.“
„Was meintest du denn?“
„Dass die Demokratie hier in Deutschland sicher sei.“
„Ganz schön naiv. Oder blind für die Geschehnisse und reich an Ignoranz. Oder uninformiert. Eins davon muss es sein.“
„Kein Grund, mich zu beleidigen.“
„Schon ein ganz schöner Grund, wenn du mich fragst. Bei dem Abgrund, auf dem die Menschen deiner oder einer schlimmeren Sorte geradewegs zusteuern.“
„Welcher Abgrund und welche Sorten?“
„Hättest du mich am Anfang einfach direkt gefragt, wie du einen Menschen gefragt hättest, wie es mir geht, hättest du die Antwort gleich bekommen, aber ich will mal nicht so sein. Nun, es geht mir ziemlich schlecht. Ich leide unter Angstzuständen und laut einiger Ärzte unter Depressionen. Ich würde sagen ich leide unter Ignoranz und Gewalt gegen mich. Demokratie geht´s nicht anders. Manche Ärzte sind nicht so naiv wie du zum Beispiel und verstehen, dass das Problem wo anders liegt, als in unseren vermeintlichen Krankheiten, aber manche sprechen in abwimmelnden Floskeln zu mir und nehmen den Ernst der Lage nicht ernst.“
„Das klingt besorgniserregend, möchtest du mir denn erzählen, was dir und Demokratie so Schreckliches passiert ist?“
„Ich hoffe, dass es mal endlich das Besorgnis Menschen deiner Sorte erregt. Und ja, ich war gerade dabei, bevor du mich unterbrochen hast.“
„Tut mir leid, so machen wir Menschen das, so zeigen wir Empathie.“
„Ja, mit Floskeln, statt mit Handlungen, ich merk´s. Nun gut, ich fahre fort. Letztens war ich bei einer Demo, irgendeine, es gibt die ja zuhauf, bei all den Kriegen, Missständen und Unruhen. Ich war aber wohl nicht erwünscht von denen, die schlimmer als deine Sorte der Ignoranten sind. Einer davon kam auf mich zu, bespuckte mich, schrie mich an, ich verbreite nur Lügen und würde seine Meinungsfreiheit einschränken. Komischer Kerl. Denn ich kenne Meinungsfreiheit, er war auch bei der Demo und hat sie im Übrigen überhaupt erst möglich gemacht, damit der seltsame Spinner mich bespucken kann. Nun gut, dafür nicht, aber damit er seine Meinung mitteilen kann. Auch wenn es fraglich ist, inwiefern das noch eine Meinung war. Von solchen Erlebnissen habe ich viele. Einmal war ich wieder auf dem Weg zur Arbeit, als ich an die Wand gepresst wurde, haha, lustig, Pressefreiheit an die Wand gepresst, spar dir den Witz. Und rate mal, was die Menschen deiner Sorte getan haben. Richtig, das, was ihr am besten könnt: nichts. Oder, damit es nach etwas klingt: „Hinschauen, oh, doch nicht, lieber wegschauen, dann habe ich keine Verantwortung, bin nicht schuldig und habe nie mitbekommen, wie das passiert ist.“ “
„Ich mach´ doch während solcher ernsten Themen keine Witze! Und ich wäre bestimmt dazwischengegangen und hätte dir geholfen oder zumindest Hilfe geholt.“
„Das sagt ihr alle und wenn ihr es seid, die so etwas beobachten, handelt ihr doch alle gleich, und zwar gar nicht. Na ja, auf jeden Fall geht´s Demokratie genauso schlecht wie mir, wir gehören schließlich alle zusammen, enge Freunde und haben uns wohl dieselben Feinde gemacht. Menschen der schlimmen Sorte schließen sich einer Partei an, die mich ganz schön an den Tod meiner Mutter und den Tod der Mutter von Demokratie erinnert und die Menschen deiner Art machen es so wie immer: „Es ist ja noch nichts passiert, das wird schon nicht nochmal passieren, es ist nicht so ernst…“ Bis es das doch ist, dann kann keiner was dafür.“
„Ich möchte nach diesem Gespräch kein Mensch meiner Sorte mehr sein. Gibt es noch eine andere? Also, eine, die besser ist, nicht die schlimmere.“
„Ja, die gibt es. Aber du musst dich darauf gefasst machen, dass du anecken wirst. Du wirst dann die nervige Person beim Weihnachtsessen sein, die den rechtsextremen Onkel auf seinen latenten oder direkten Rassismus, seine Homophobie oder was auch immer es sein sollte, hinweisen wird, die „den heiligen Weihnachstfrieden stört“, die auf Proteste geht, aber nicht, um mich zu bespucken, sondern um meine Freundin Frieden, meine Freundin Demokratie und so weiter zu verteidigen. Du sollst uns immer verteidigen, wenn wir angegriffen werden und schützen, bevor es überhaupt zu Angriffen kommt. Ihr Menschen fühlt euch immer so schlau, wenn ihr komplizierte Begriffe versteht: Prävention sollst du leisten.“
Doch die Moral dieser Geschicht´ ist nicht nur, dass die Pressefreiheit lebendig, sterblich, zerbrechlich ist und deshalb zu schützen gilt, sondern dass ich eigentlich nicht mit ihr im Gespräch gewesen bin, sondern mit mir selbst, mit dir, mit uns, da sie ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Demokratie und somit unserer Gesellschaft, nicht nur der Presse, sondern Teil der Freiheit als solcher ist und sobald diese Freiheit bröckelt und zerbricht, sind alle anderen Freiheitsrechte längst erlischt, da eine nur im Zusammenschluss mit allen anderen gilt. Und sind sie einmal alle vernichtet, so schaut die Diktatur nicht nur hinterlistig um die Ecke, sondern schon mir, dir, uns allen, mitten ins Gesicht. Dann sind alledie, die meinten, die Pressefreiheit gäbe es nicht, sie würde heucheln, lügen, was weiß ich, scheinbar frei, freuen sich, sind die ersten, die sinnbefreite, freiheitsverachtende Parolen ausgelassen mitschreien und mitgrölen, sich irgendwann für die neu erlangte „Freiheit“ in den Krieg stürzen und dort in ihrer gemeinsamen Dummheit einheitlich in mein, in dein, in unser aller Verderben marschieren. Dass ich von ihnen, statt von uns spreche, ist eigentlich naiv, denn wie kann ich mir sicher sein, dass nicht ich, nicht du, nicht wir uns mitschuldig machen? Das können ich und du und wir nur vermeiden, wenn wir die Verantwortung übernehmen, die wir seit dem letzten Mal tragen, als keiner davon wusste, keiner das so meinte, alle nur mussten und keiner daran wirklich beteiligt war, „Mein Opa, der war einer, der den Opfern geholfen hat!“, obwohl klar war, dass das Vorhaben, die Ideologie, der Verlust vieler Menschenleben, der Verlust aller Freiheiten war, da die Presse davon berichtet hat, auch davon, wie die Menschen ihre Stimmen bei den Wahlen für ihr Verderben vergaben, noch vor der Machtübernahme, ganz legal, alle schauten zu, alle machten mit und später war es keiner gewesen, keiner war schuldig, keiner wusste, wie das hatte passieren können. Die Presse, die von der Wahrheit erzählte und diese Wahrheiten Warnung genug waren und sind, ohne, dass vermeintlichen Lügen, die sie heute angeblich erzähle, überhaupt von Notwenidgkeit (gewesen) wären, die lag „plötzlich“ in der Hand derer, die die Freiheit vernichtet hatten. Und wer hat sie ihnen überreicht? Diejenigen, die damals von ihren Warnungen nicht wachgerüttelt worden waren oder ihr Eintreten willkommen gehießen haben, diejenigen, die ich heute mit meinen Worten zu erreichen hoffe. Mich, dich, uns, gemeinsam für die Vernunft.
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